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Für Fachpersonen

Zuweisung bei LKG-Spalte & kraniofazialen Fehlbildungen

Leitfaden für Ärzte, Hebammen und Pädiater: wann zuweisen, was mitschicken, welche Zeitfenster entscheidend sind.

4 Stufen Dringlichkeit
5 Zentren Schweiz
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Wann und wie zuweisen?

Dieser Leitfaden ist zentrumsneutral. Er richtet sich an alle Fachpersonen in der Schweiz und ist unabhängig vom behandelnden Zentrum. Die Zuweisung erfolgt idealerweise direkt an eines der spezialisierten Universitätszentren (→ Übersicht weiter unten).

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) und kraniofaziale Fehlbildungen erfordern ein erfahrenes, interdisziplinäres Spezialteam. Eine frühzeitige Zuweisung — in manchen Fällen bereits pränatal — ist entscheidend für ein optimales Ergebnis und die Vorbereitung der Familie.

Die nachfolgende Matrix gibt Orientierung: Welche Diagnose, welches Zeitfenster, welche Dringlichkeit — und was beim Erstkontakt mitgegeben werden sollte.

Ampelsystem auf einen Blick

🔴 Notfall

Sofortige Zuweisung / Notfallkontakt. Kann nicht auf einen Termin warten. Direkt Neonatologie oder MKG-Dienst des Spezialzentrums kontaktieren.

🟠 Dringlich

Zuweisung innerhalb weniger Tage. Zeitfenster klinisch bedeutsam — Verzögerung kann Behandlungsoptionen einschränken.

🟡 Zeitnah

Zuweisung innerhalb von 2–4 Wochen. Kein unmittelbarer Notfall, aber frühzeitige Abklärung empfohlen.

🟢 Elektiv

Zuweisung ohne Zeitdruck möglich. Patient / Familie sollte dennoch informiert werden, dass ein Spezialistentermin empfohlen ist.

Diagnose, Zeitfenster & Dringlichkeit

Die folgende Tabelle gibt eine Orientierungshilfe. Die Dringlichkeit kann im Einzelfall abweichen — bei Unsicherheit empfiehlt sich der direkte Kontakt mit dem Spezialzentrum.

Diagnose / Situation Zeitfenster Dringlichkeit Hinweise
Pierre-Robin-Sequenz mit Atemwegsobstruktion Sofort 🔴 Notfall Direkt Neonatologie / MKG-Dienst kontaktieren. Atemwegsmanagement hat Priorität.
Schwere Kraniosynostose mit ICP-Zeichen (Stauungspapille, Sonnenuntergangsphänomen) Sofort 🔴 Notfall Neurochirurgische Mitbeurteilung. Keine Verzögerung.
Neugeborenes mit LKG-Spalte (postnatal) Innerhalb 1–2 Wochen 🟠 Dringlich Ernährungsberatung, Trinkaufsatz-Anpassung, Gaumenplatte. Früher Termin erleichtert die Familie erheblich.
Pränataldiagnose LKG-Spalte (Ultraschall SSW 20–22) Vor der Geburt, nach Diagnosestellung 🟠 Dringlich Pränatale Beratung ermöglicht Geburtsplanung, Ernährungsvorbereitung, emotionale Begleitung der Eltern.
Isolierte Gaumenspalte (postnatal erkannt) Innerhalb 2–4 Wochen 🟠 Dringlich Oft erst nach der Geburt erkennbar. Trinkprobleme und Ernährungsberatung im Vordergrund.
Kraniosynostose (Verdacht, ohne ICP-Zeichen) Innerhalb 2–4 Wochen 🟡 Zeitnah Frühzeitige Zuweisung bei klinischem Verdacht. Bildgebung nach Rücksprache mit dem Spezialzentrum oder gemäss lokalem diagnostischem Pfad; vorhandene Bildgebung bitte mitsenden. Differentialdiagnose lagebedingte Plagiozephalie.
Plagiozephalie — Synostose nicht ausgeschlossen Innerhalb 4–8 Wochen 🟡 Zeitnah Klinische Differenzierung kann schwierig sein. Frühe Abklärung sichert Behandlungsoptionen (endoskopisch vs. offen).
Syndromale Fehlbildung (Apert, Crouzon, Treacher Collins, Pierre Robin ohne Atemwegsproblem, Pfeiffer) Innerhalb 2–4 Wochen 🟡 Zeitnah Interdisziplinäres Erstgespräch. Genetische Abklärung koordinieren.
Schulkind: Kieferspaltosteoplastik-Timing Vor dem 8. Lebensjahr zur kieferorthopädischen Vorbereitung 🟢 Elektiv Optimaler OP-Zeitpunkt: Eckzahnwurzel 50–75%, i.d.R. 9.–11. Lebensjahr. Frühzeitige kieferorthopädische Mitbehandlung erforderlich.
Jugendlicher / Erwachsener: Dysgnathie, Umstellungsosteotomie Nach Abschluss des Kieferwachstums (≥ 17–18 J.) 🟢 Elektiv Kieferorthopädische Vorbehandlung obligat. Gemeinsame Planung MKG + Kieferorthopädie.
Rhinoplastik / Narbenkorrektur / Implantatversorgung Nach Wachstumsabschluss 🟢 Elektiv Patientenwunsch und Funktionsdiagnostik entscheidend.

Was beim Erstkontakt mitgeben?

Je vollständiger die Unterlagen beim Erst- oder Notfallkontakt, desto rascher kann das Spezialzentrum handeln. Die folgenden Übersichten sind nach Fallkategorie gegliedert.

🤰 Pränatal (LKG-Spalte, pränatal diagnostiziert)

  • Ultraschallbilder / Bildbericht mit SSW-Angabe
  • Gynäkologischer Überweisungsbrief
  • Genetischer Befund (falls vorhanden)
  • Begleitfehlbildungen (ja/nein, falls bekannt)
  • Geplantes Geburtszentrum und errechneter Geburtstermin

👶 Neugeborenes (LKG-Spalte, postnatal)

  • Geburtsgewicht und aktuelles Gewicht
  • Ernährungssituation (stillen, Flasche, Trinkmengen)
  • Spaltform (falls bekannt: Lippe / Kiefer / Gaumen, ein- oder beidseitig)
  • Pädiatrischer Bericht aus Geburtsklinik
  • Begleitprobleme (Herzfehler, Atemwegssituation)

🦴 Kraniosynostose / Plagiozephalie

  • Klinischer Befundbericht mit Fotos (front/Seite/von oben)
  • Low-dose-CT (falls bereits erfolgt)
  • Alter bei Erstdiagnose
  • Augenbefund (Stauungspapille, Exorbitismus?)
  • Entwicklungsstatus, Neurologie
  • Bisherige Massnahmen (Helm, Physiotherapie)

🧬 Syndromale Fehlbildung

  • Diagnose oder Verdachtsdiagnose (Syndrom)
  • Genetischer Befund / laufende Abklärungen
  • Liste der Begleitfehlbildungen
  • Vorherige Eingriffe (falls vorhanden)
  • Schlafstudien / Polysomnographie (falls vorhanden)

🦷 Schulkind / Erwachsener (elektive Zuweisung)

  • OPG und seitliches Fernröntgen (FRS)
  • Befund des behandelnden Kieferorthopäden
  • Vorherige LKG-Operationen (Art, Zeitpunkt, Klinik)
  • Aktuelle Sprachtherapie / logopädische Berichte
  • Patientenmotivation / -wunsch

⚠️ Immer mitgeben

  • Adresse und Kontaktdaten der Familie
  • Name der überweisenden Fachperson + Kontakt für Rückmeldung
  • Sprache der Familie (für Dolmetscher-Planung)
  • Versicherungsstatus (KK, Zusatz, IV) falls bekannt

Was beim Ersttermin im Spezialzentrum erwartet werden kann

Damit die überweisende Fachperson die Familie richtig vorbereiten kann:

Typischer Ablauf – LKG-Ersttermin

Der Ersttermin im Spezialzentrum dauert in der Regel 1–2 Stunden und umfasst ein ausführliches Informationsgespräch, die klinische Untersuchung und erste Weichenstellungen für die Behandlung. Die Familie erhält einen individuellen Behandlungsplan mit allen Phasen und Zeitfenstern. Bei Neugeborenen werden Spezialflaschen und die Gaumenplatte besprochen. Eine Rückmeldung an die zuweisende Fachperson erfolgt in der Regel per Bericht.

Eltern vorbereiten — was Sie ihnen sagen können

LKG-Spalten und kraniofaziale Fehlbildungen sind sehr gut behandelbar. Ein erfahrenes Spezialteam begleitet die Familie über viele Jahre. Beim Ersttermin werden alle offenen Fragen besprochen — kein Vorinformation ist falsch oder unwichtig.

Universitäre Spezialzentren

Die folgende Übersicht listet die universitären Zentren in der Schweiz, die über spezialisierte, interdisziplinäre Teams für LKG-Spalten und kraniofaziale Fehlbildungen verfügen. Die Auflistung ist alphabetisch nach Ort und ohne Wertung.

Basel

Spaltzentrum Basel

Universitätsspital Basel (USB) & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)

Bern

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Inselspital, Universitätsspital Bern

Genf

Service de chirurgie maxillo-faciale

Hôpitaux universitaires de Genève (HUG)

Lausanne

Service de chirurgie maxillo-faciale et stomatologie

Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV)

Zürich

Kraniofaziales Zentrum Zürich

Universitätsspital Zürich (USZ) & Kinderspital Zürich (Kispi)

Alle Zentren sind Teil des Europäischen Referenznetzwerks ERN CRANIO oder arbeiten nach dessen Qualitätsstandards.

Was ist gesichert, was ist im Fluss?

Was international weitgehend anerkannt ist: Bestimmte Befunde – rasche Kopfumfangszunahme, gespannte Fontanelle, Atemnot bei Robin-Sequenz, Gedeihstörung – gelten unabhängig vom Zentrum als dringliche Zuweisungskriterien.
Wo Behandlungskonzepte zwischen Zentren variieren: Konkrete Triage-Fristen und Zuweisungswege unterscheiden sich zwischen Spitälern und Kantonen. Auch ob primär bildgebende Diagnostik oder direkt eine fachärztliche Beurteilung vor Ort erfolgt, wird unterschiedlich gehandhabt.
Was wissenschaftlich noch offen ist: Ein schweizweit standardisiertes Triage-Tool für kraniofaziale Zuweisungen existiert bisher nicht. Auch der CVAI-Grenzwert, ab dem eine Helmtherapie sinnvoll ist, wird in der Literatur weiterhin diskutiert.

Fragen zur Zuweisung?

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⚠ Diese Seite dient ausschliesslich der Information. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte übermitteln Sie keine Patientendaten.

Häufige Fragen

Wann sollte ein Kind an ein kraniofaziales Zentrum überwiesen werden?

Bei Verdacht auf eine Kraniosynostose, syndrom-assoziierte Fehlbildungen, eine Robin-Sequenz oder relevante Atemwegs- bzw. Fütterungsprobleme ist eine frühzeitige Vorstellung sinnvoll. Bei Neugeborenen mit Atemwegsobstruktion ist Dringlichkeit gegeben.

Welche Bildgebung ist wann indiziert?

Die Wahl richtet sich nach Fragestellung und Alter; Strahlenschutzaspekte sind bei Kindern besonders zu beachten. Die konkrete Indikation wird individuell im spezialisierten Zentrum gestellt.

Wie sind Timing und Reihenfolge der Eingriffe geregelt?

Timing und Sequencing hängen von Diagnose, Wachstum und Funktion ab und folgen etablierten, aber individuell angepassten Behandlungspfaden. Eine interdisziplinäre Planung wird empfohlen.

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Angaben zu Kostenübernahme und Versicherungsleistungen sind unverbindlich; massgebend ist die Beurteilung im Einzelfall durch die zuständigen Versicherungsträger. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam.