Orientierung
Typische Abläufe von der Geburt bis ins Erwachsenenalter – als Zeitachsen. Jeder Verlauf ist individuell.
Die folgenden Zeitachsen zeigen typische Behandlungsabläufe bei einigen häufigen Diagnosen. Sie dienen der Orientierung. Der tatsächliche Ablauf – Zeitpunkte, Reihenfolge und Art der Eingriffe – wird immer individuell im spezialisierten Zentrum festgelegt und kann deutlich abweichen.
Vorstellung im spezialisierten Zentrum, Ernährungsberatung, bei Bedarf Gaumenplatte.
Operativer Verschluss der Lippe (Zeitpunkt je nach Zentrum und Kind).
Operativer Verschluss des Gaumens; wichtig für Sprache und Gehör.
Regelmässige Kontrollen; bei Bedarf Logopädie.
Knochenaufbau im Kieferspaltbereich (bei Kieferbeteiligung).
Zahn-/Kieferregulierung; bei Bedarf kieferorthopädisch-chirurgische Massnahmen.
Bei Bedarf Nasen- oder Narbenkorrekturen nach Wachstumsabschluss.
Klinische Beurteilung der Kopfform; bei Bedarf Bildgebung.
Bei geeigneten Formen früh möglich, meist mit anschliessender Helmtherapie.
Alternativ, je nach Form und Zeitpunkt der Diagnose.
Kontrolle von Kopfform, Entwicklung und – wo nötig – Hirndruck.
Lagerung; bei Bedarf nasopharyngealer Tubus, Atemunterstützung; in schweren Fällen Distraktion. Individuelle Entscheidung im Team.
Ernährung sichern (Spezialflaschen, ggf. Sonde), Überwachung der Atmung.
Falls eine Gaumenspalte vorliegt.
Unterkieferwachstum, Sprach- und Hörkontrollen.
Interdisziplinäre Abklärung; Atmung und Augenschutz sichern.
z. B. fronto-orbitales Advancement, um dem Gehirn Raum zu geben.
Bei Bedarf schrittweise Vorverlagerung des Mittelgesichts.
z. B. Kiefer, Nase; bei Apert-Syndrom auch Hände.
Bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten hat sich international eine strukturierte Ergebnis-Kontrolle etabliert. Der ICHOM-Standarddatensatz für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten empfiehlt, den Behandlungserfolg an definierten Alterspunkten – typischerweise etwa mit 5, 8, 10 und 12 Jahren sowie im jungen Erwachsenenalter (um 18–22 Jahre) – standardisiert zu erfassen. Betrachtet werden dabei unter anderem:
Solche einheitlichen Kontrollen erlauben es, Ergebnisse über die Zeit zu verfolgen und zwischen Zentren vergleichbar zu machen – ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung.
Grundlage: Diese Übersicht orientiert sich an der aktuellen S3-Leitlinie „Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten" (AWMF-Register-Nr. 007-038, Stand 2025), an etablierten Empfehlungen zur Behandlung von Kraniosynostosen sowie am ICHOM Standard Set for Cleft Lip & Palate. Die genannten Zeitpunkte sind typische Anhaltspunkte und variieren je nach Behandlungskonzept, Zentrum und individuellem Befund. Weiterführende Quellen finden Sie in der kraniofazialen Bibliothek.