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Operative Verfahren

Le-Fort-III-Distraktion

Vorverlagerung des gesamten Mittelgesichts bei syndromaler Mittelgesichtshypoplasie – mit Vergleich externer und interner Distraktoren.

Was ist die Le-Fort-III-Distraktion?

Die Le-Fort-III-Osteotomie mit anschliessender Distraktion ist der zentrale Eingriff zur Korrektur der Mittelgesichtshypoplasie bei syndromalen Kraniosynostosen. Das gesamte Mittelgesicht — Wangenbeine (Zygoma), Orbita und Nasenrücken — wird von der Schädelbasis getrennt und danach über Wochen schrittweise nach vorne verlagert (Distraktionsosteogenese).

Wann ist sie indiziert?

Die Indikation ist primär funktionell, nicht ästhetisch:

Hauptbetroffene Syndrome: Crouzon, Apert, Pfeiffer (FGFR-Mutation). Gelegentlich Saethre-Chotzen.

Wann wird operiert?

Meist im späten Kindesalter (6–12 Jahre), wenn ausreichend Knochenmasse vorhanden ist. Bei akuter funktioneller Dringlichkeit (schwere Atemwegsobstruktion, drohende Hornhautschädigung) kann die Indikation früher gestellt werden.

Ein zweizeitiges Verfahren

Stufe 1 – Operation: Unter Vollnarkose werden Le-Fort-III-Osteotomien durchgeführt: Das gesamte Mittelgesicht wird entlang Orbitaböden, Jochbein und Nasenrücken von der Schädelbasis getrennt und mobilisiert. Gleichzeitig wird das Distraktionssystem eingesetzt. OP-Dauer: ca. 4–6 Stunden; postoperativer Intensivaufenthalt.

Stufe 2 – Distraktion: Nach einer Latenzphase von 5–7 Tagen wird täglich um ca. 1 mm weitergestellt. Über 3–6 Wochen wird das Mittelgesicht in die Zielposition geführt, danach Retention bis zur knöchernen Konsolidierung und Entfernung des Distraktors.

Externer vs. interner Distraktor

Externes System (RED-Device): mit Halo-Rahmen am Schädel befestigt, vor dem Gesicht geführt. Vorteil: vollständige dreidimensionale Vektorkontrolle während der gesamten Distraktion — Richtung, Ausmass und Rotation jederzeit ohne erneuten Eingriff anpassbar. Engel et al. (J Craniomaxillofac Surg 2019) dokumentierten bei Crouzon-Patienten eine SNA-Verbesserung von 76° auf 86° (p=0,006), eine Verdreifachung des posterioren Atemwegraums und stabile Langzeitergebnisse.

Internes System: vergraben implantiert, für Familien weniger belastend. Nachteil: die Distraktionsrichtung ist durch die Implantatachse vorgegeben und kaum korrigierbar; häufig ist ein zusätzlicher transfazialer Kirschner-Draht erforderlich.

Unsere Einschätzung: Bei der Le-Fort-III-Distraktion mit dem Ziel einer kontrollierten, dreidimensionalen Mittelgesichtsvorverlagerung bevorzugen wir das externe System — wegen der überlegenen Vektorkontrolle am zentralen Mittelgesicht und der Möglichkeit zur Nachjustierung ohne Revisionseingriff. Beide Systeme erzielen vergleichbare Gesamtergebnisse; die Entscheidung richtet sich nach Anatomie, Behandlungsziel, Alter und Zentrumserfahrung.

Ergebnisse

Neben der Gesichtsformkorrektur ist die Verbesserung des Atemwegs das wichtigste messbare Ziel: Rückgang oder Heilung der obstruktiven Schlafapnoe, deutliche Vergrösserung des posterioren Atemwegraums, dauerhafter Hornhautschutz. Eine definitive orthognathische Feinkorrektur nach Wachstumsabschluss (ab ca. 16–18 Jahren) ist häufig der letzte Schritt.

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Häufige Fragen

Was bewirkt eine Le-Fort-III-Distraktion?

Sie verlagert das Mittelgesicht schrittweise nach vorne, um Atmung, Augenschutz und Bissverhältnisse zu verbessern. Das Ausmass wird individuell geplant.

Wie läuft die Distraktion ab?

Nach der Operation wird der Knochen über ein Distraktionsgerät langsam auseinandergezogen, sodass neuer Knochen entsteht. Die Behandlung erstreckt sich über mehrere Wochen und wird engmaschig begleitet.

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Angaben zu Kostenübernahme und Versicherungsleistungen sind unverbindlich; massgebend ist die Beurteilung im Einzelfall durch die zuständigen Versicherungsträger. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam.